Aide en allemand

Aide en allemand

WESTEN : Verfilmung des Romans "Lagerfeuer" von Julia Franck

 

Kinostart: 27.03.2014

 

Trailer : WESTEN

 

Kennen Sie Julia Francks Roman "Lagerfeuer" (ein Ausschnitt war in einem Deutsch-Lehrbuch unter dem Titel "Von Deutschland nach Deutschland")?

25 Jahre Mauerfall, da passt es gut, dass der Roman verfilmt wurde...

 

                      Menschen am Ort des Übergangs

Marienfeldedpa.jpg

Das Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde Ende der siebziger Jahre - Nadelöhr zwischen den beiden deutschen Staaten und zwischen den Blöcken des Kalten Krieges[1]. Die Lebenswege von vier Menschen kreuzen sich hier: Nelly, die mit ihren Kindern aus der DDR ausreist[2], Krystyna aus Polen und der aus dem Ost-Gefängnis freigekaufte Schauspieler Hans[3]. Ihnen gegenüber steht John Bird, der als amerikanischer Geheimdienstler die Verhöre mit den Flüchtlingen führt. Er interessiert sich nicht für ihre ungewisse Zukunft, sondern für die verborgenen Geschichten ihrer Vergangenheit. Bis er an Nelly gerät, die selbstbewusst sein Spiel durchschaut.

Julia Franck kennt Marienfelde aus eigener Erfahrung. Als Achtjährige[4] lebte sie nach der Ausreise aus der DDR ein Dreivierteljahr lang dort. In ihrem neuen Roman führt sie Menschen an einen Ort, an dem sich Lebensgeschichten entschieden."

 

Das Letzte, was die DDR-flüchtige Nelly Senff sich von ihrem Staat gefallen lassen muss, ist eine inwändige Leibesvisitation. Der letzte Eingriff vor der Ausreise ins Feindland, die letzte private Manipulation, die letzte Demütigung. "Nicht gehen ließen sie mich. Als Trojanisches Pferd wollten sich mich schicken."

Das Erste, was Nelly Senff im Westen erwartet: Demütigungen. Stundenlange Verhöre durch verschiedene Geheimdienste, Mehrbettzimmer und Doppelstockbetten, zwielichtige Wohltäter, Spitzel-Verdacht, Essensmarken und Nieselregen. Allgegenwärtig der Gospel-Sound aus den Radios der amerikanischen Besatzer. Und viele offene Fragen: "Was glaubt ihr, was euch im Kapitalismus erwartet?

Lagerfeuer handelt von Transiterfahrungen, im geografischen, ideologischen und existenziellen Sinn. Schauplatz ist das ehemalige Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde. Hier machen vier sensible Hauptpersonen eine gemeinsame Erfahrung: an einem Ort zu sein, an dem keiner von ihnen sein will. Zukunft: ungewiss.

 

Kurzbeschreibung
Wofür benötigt sie eigentlich Zahnpasta, wenn sie doch in den Westen zieht, um mit ihrem zukünftigen Mann zusammenzuleben? Und was ist mit dem Vater der Kinder?

Nelly Senff ist schweißgebadet, als sie Ende der 70er Jahre endlich die Tortur der Ausreise hinter sich hat. Nichts hat man ihr erspart, hat die Kinder von ihr getrennt, eine hochnotpeinliche Leibesvisitation an ihr durchgeführt – aber nun ist sie drüben. Drüben, das heißt zunächst einmal Notaufnahmelager Marienfelde. Drüben, das heißt Demütigungen, stundenlange Verhöre durch verschiedene Geheimdienste, insbesondere durch CIA-Agent John Bird, der vermeintliche DDR-Spitzel aufdecken will. Drüben, das heißt auch, ein winziges Zimmer mit Stockbetten für sie und die Kinder und, vor allem, die erzwungene Nähe zu den anderen Bewohnern.

Marienfelde galt als Tor zum goldenen Westen. Doch die Flüchtlinge erfahren an diesem Übergangsort nichts als Desillusionierung.

 

Notaufnahmelager Marienfelde

Der Ortsteil ist bekannt für sein Notaufnahmelager in der Marienfelder Allee, in dem zwischen 1953 und 1989 hunderttausende Deutsche aus der DDR auf ihrer Flucht in den Westen aufgenommen und versorgt wurden. Heute dient das ehemalige Notaufnahmelager als Heim für Spätaussiedler.

 

Im Oktober 2005 wurde mit dem Abgeordnetenhauspräsidenten Walter Momper ein Koffer als Gedenken an die Flüchtlinge des Ostens enthüllt.

 

Seit 1948 zogen zunehmend Menschen aus der damaligen Sowjetischen Besatzungszone in die Westzonen bzw. nach West-Berlin. Speziell für Berlin war dieser Zustrom angesichts der katastrophalen Versorgung mit Wohnraum ein großes Problem.

Mit der Übernahme des Bundesnotaufnahmegesetzes in West-Berlin mit Wirkung ab 4. Februar 1952 kam die Planung eines zentralen Notaufnahmelagers des Bundes im Westteil der Stadt langsam in Fahrt.

Ab Mai 1952 verschärfte sich für West-Berlin das Flüchtlingsproblem dramatisch. Der Grenzsicherungsbeschluss der DDR vom 26. Mai 1952 führte dazu, dass die Fluchtwege über die innerdeutsche Grenze und der Grenze zwischen der DDR und West-Berlin schnell versperrt waren. Nur die innerstädtische Sektorengrenze zwischen West- und Ost-Berlin war noch relativ unkontrolliert passierbar. Die städtischen Einrichtungen zur Aufnahme der Flüchtlinge waren überfüllt. Der damalige Berliner Senator für Sozialwesen, Otto Bach, führte nach eigenen Angaben einen „Zweifrontenkampf gegen Flüchtlingsnot und Bonner Bürokratie“ bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme.

 

Am 30 Juli 1952 wurde der Grundstein für das Notaufnahmelager Marienfelde gelegt. Das Gelände an der Marienfelder Allee war Eigentum des Bundes. Die Nähe zum Flughafen Tempelhof und die Anbindung an die S-Bahn waren wahrscheinlich mitbestimmende Faktoren für die Standortwahl.

 

Der erste Teilabschnitt des Lagers mit zehn Wohnblocks für etwa 2.000 Flüchtlinge wurde am 14. April 1953 eingeweiht. Der Betrieb im Lager begann erst im August 1953 auf dem Höhepunkt einer Flüchtlingswelle als Nachklang des 17. Juni 1953.

 

Bis 1961 wurde das Lager ständig ausgebaut, war aber dennoch fast immer überbelegt.

 

Schlagartig gingen die Flüchtlingszahlen nach dem 13. August 1961 durch den Bau der innerstädtischen Grenzsicherungsanlagen auf Nahe Null zurück. Teile des Lagers wurden für Wohnzwecke freigegeben.

 

Das Lager blieb bestehen, um weiter Flüchtlinge und vor allem Übersiedler aus der DDR und später auch Aussiedler aus anderen Staaten aufzunehmen.

 

1989 schwoll dann der Flüchtlingsstrom wieder dramatisch an. Die Ausreisemöglichkeiten aus der DDR wurden besser, wodurch die Zahl der Flüchtlinge stieg. Nach dem 9. November 1989 kam es dann zu einem großen Ansturm auf das Lager in Marienfelde. Es wurden Fabrikgebäude in der Nähe angemietet, um mit dem Flüchtlingsstrom fertig zu werden.

 

Ab 30. Juni 1990 wurde es ruhiger im Lager. 1993 verließen die letzten Flüchtlinge und Übersiedler das Notaufnahmelager Marienfelde. Danach wird das Lager als Zentrale Aufnahmestelle des Landes Berlin für Aussiedler betrieben.

 


 

[1] Abwanderung im Osten
Die DDR erlitt durch die Abwanderung enorme Verluste. Mit den Millionen von Menschen gingen ihr qualifizierte Arbeitskräfte, politisches Ansehen und kulturelle Werte verloren; soziale Netzwerke wurden – vor allem im ländlichen Raum – zerstört.
Die DDR war nie bereit, Schwächen des eigenen Systems als Ursache der Fluchtbewegung anzuerkennen. Aus ihrer Sicht waren die angebliche Abwerbung von Seiten der Bundesrepublik, die behauptete DDR-Hetze in den westdeutschen Medien und die „Illusionen“ der Ostdeutschen vom „Goldenen Westen“ für die Abwanderung verantwortlich.
Kriminalisierung und Agitation sollten die Abwanderung eindämmen, aber erst durch den Bau der Mauer 1961 gelang es, den Flüchtlingsstrom zu stoppen und das politische und wirtschaftliche System der DDR zu stabilisieren.

 

[2] Ausreise
Angesichts der Risiken und Strapazen einer Flucht versuchten seit Mitte der 1970er Jahre immer mehr Menschen, die DDR per Ausreise zu verlassen. Sie stellten bei den zuständigen Behörden einen Antrag auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft und begaben sich damit auf einen langen Weg mit ungewissem Ausgang. Denn die Genehmigungspraxis blieb stets undurchsichtig und willkürlich. Einen Rechtsanspruch auf Ausreise gab es nicht. Nur wer Rentner oder Invalide war oder Verwandte ersten Grades im Westen hatte, durfte gemäß einer Reiseverordnung von 1983 einen Antrag stellen. Alle anderen Antragsteller handelten aus Sicht der Behörden rechtswidrig. Die Beantragung der Ausreise zog in der Regel jahrelange Repressalien nach sich.

[3] Eine besondere Form staatlich genehmigter Ausreise war der Freikauf von politischen Häftlingen durch die Bundesrepublik – ein geheimes Tauschgeschäft zwischen den Regierungen beider deutscher Staaten. Zwischen 1963 und 1989 kamen auf diese Weise 33.755 Frauen und Männer aus DDR-Gefängnissen in den Westen. Die DDR erhielt dafür Warenlieferungen und Devisen im Gesamtwert von 3,4 Milliarden Mark und bezeichnete das Ganze als „Sondergeschäft“, während die Bundesregierung von „besonderen Bemühungen im humanitären Bereich“ sprach. Auf den Vorschlagslisten der Unterhändler standen vor allem die Namen von Häftlingen, die wegen Fluchtversuchs, Fluchthilfe oder Ausreisebegehrens verurteilt worden waren.

[4] 1970 in Ost-Berlin geboren. 1978 reiste die Familie nach West-Berlin aus.

 



03/05/2014

A découvrir aussi


Inscrivez-vous au blog

Soyez prévenu par email des prochaines mises à jour

Rejoignez les 71 autres membres