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Spiegel-Artikel : Motivation von Schülern

Motivation von Schülern: "Jeder hat das Potential für eine Eins"

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Knorrige Despoten und autoritäre Antreiber sind als Lehrer nicht mehr gefragt - aber wie dann die Schüler anspornen? Eine neue Studie zur Motivation im Klassenzimmer stellt überraschend einfache und billige Maßnahmen vor, die jeder Pädagoge nutzen kann.

Erster Tag des Schuljahres, irgendwo in Deutschland: Für die 30 Kinder der Klasse steht an diesem Montag im August Erdkunde auf dem Plan. Als sie die Klasse betreten, liegen auf ihren Plätzen leere Notizblätter, nur eine Ziffer hat der Lehrer darauf hinterlassen: eine Eins. Das ist die Note, die die Kinder von ihm schon bekommen, ohne dass die Stunde zum anstehenden Thema "Seen und Flüsse" überhaupt stattgefunden hat.

Jeder Schüler bekommt eine Eins, ohne etwas getan zu haben? Das ist kein seltsamer Scherz, vielmehr versucht der Lehrer mit dem Experiment, seine Schüler zu motivieren. Denn die Note bedeutet nicht, dass sie sich bis zum Ende des Schuljahres zurücklehnen können, im Gegenteil. Das Prinzip dahinter: "Jeder hat das Potential für eine Eins, aber du wirst hart arbeiten müssen, um deine Note behalten zu können."

Dieser Ansatz stammt aus der neuen Studie "Schüler richtig motivieren", die im Auftrag der Vodafone Stiftung vom Forschungszentrum der Royal Society (RSA) London erarbeitet wurde. Das Ziel: Erkenntnisse der Verhaltenswissenschaften nutzen, um Methoden zu entwickeln, mit denen Lehrer ihre Schüler im Unterrichtsalltag zu mehr Mitarbeit und Leistung anspornen können. Dafür haben die Autoren die aktuelle Forschungsliteratur ausgewertet, Expertengespräche geführt und Tests mit Lehrern durchgeführt.

Die Ergebnisse haben die Verantwortlichen in drei Kategorien eingeteilt:

 

  • Einstellung zu geistigen Fähigkeiten und Intelligenz: Zu den Grundannahmen der Wissenschaftler gehört, dass geistige Fähigkeiten keine starren persönlichen Eigenschaften sind, sondern sich durch Übung und Fleiß steigern lassen. Das sollten die Lehrer auch an ihre Schüler weitergeben und so deren Selbstbild durch das richtige Feedback verbessern. "Die Art und Weise, wie Pädagogen und Eltern den Kindern Rückmeldungen geben, kann die mentale Haltung stärken oder schwächen", heißt es in der Studie. Deshalb sollten Schüler für ihren Einsatz gelobt werden statt für ihre Begabung und Intelligenz. Auch sollte in ihre Bewertung der individuelle Lernfortschritt einfließen. 

 

  • Kognitive Verzerrungen: Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Menschen generell dazu neigen, die Information überzubewerten, die sie zuerst erhalten. So wirke sich der erste Eindruck, den ein Lehrer zu Beginn eines Schuljahres von einem Schüler gewinnt, im Rest des Schuljahres unverhältnismäßig stark auf die Bewertung aus. Das sollte sich der Lehrer häufiger bewusst machen und sich selbst hinterfragen. Auch der Vorschlag, jeden erstmal mit einer Eins starten zu lassen, zählt zu den kognitiven Verzerrungen. Denn die Verhaltensforschung zeigt: Die Angst vor und der Schmerz bei einem Verlust (die Note kann bei abfallender Leistung schlechter werden) wiegen schwerer als die Freude über einen Gewinn (wenn also eine Note am Ende des Schuljahres vergeben wird).

 

  • Umfeld-Einflüsse: Schon kleine Reize aus dem direkten Lernumfeld könnten große Leistungssteigerungen bewirken, das ist eine weitere Annahme der Wissenschaftler. Würden die Schüler immer wieder mit Wörtern konfrontiert, die für Intelligenz stehen, könne das ihre Prüfungsergebnisse verbessern. Fotos, auf denen Armutsszenen zu sehen waren, hätten hingegen dazu geführt, dass die Testpersonen impulsiver waren. Ein Blick auf Bäume oder Zimmerpflanzen würde das Aggressionspotential senken und der mentalen Ermüdung entgegen wirken.

Die Methoden, so die Studie, könnten dabei helfen, die Bildungsungerechtigkeit zu vermindern. Zwar hat Deutschland auch in Sachen Bildungsgerechtigkeit aufgeholt, wie die letzte Pisa-Studie zeigte, doch nach wie vor gibt es eine Vielzahl abgehängter Schüler. Kinder aus einem benachteiligten Umfeld sollen mit Hilfe der Motivationsstrategien zu ihren Mitschülern aus wohlhabenderen Familien aufschließen. Wie genau das funktionieren soll, bleibt allerdings vage.

Was Lehrer über die Empfehlungen denken, sollen sie auf der Internetseite www.lehrerdialog.net diskutieren, die online ging, als die Studie an diesem Dienstag vorgestellt wurde.

 



11/03/2014

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