Aide en allemand

Aide en allemand

Soufeina Hamed : Comics gegen Vorurteile

"Wir haben die gleichen Erlebnisse und Gefühle wie alle anderen"                                

Soufeina Hamed zeichnet Comics aus der deutsch-muslimischen Alltagswelt              

Moderation: Kirsten Dietrich

Ein Comic von Soufeina Hamed                  
 
Ein Comic von Soufeina Hamed (Soufeina Hamed)

Sie ist eine junge Muslima, die bewusst ein Kopftuch trägt und aus Berlin stammt. Genau dieses Leben gibt die 23-jährige Soufeina Hamed in Comic-Zeichnungen wider. Mit den Bildern möchte sie einer breiteren Öffentlichkeit zeigen, was Muslime in Deutschland ausmacht.        

Vorurteile.JPG
      

Kirsten Dietrich: Es ist beinahe zehn Jahre her, da fällte das Bundesverfassungsgericht ein Urteil, das ein echter Augenöffner für die deutsche Gesellschaft war. Die Lehrerin Fereshta Ludin war bis zum höchsten Gericht gegangen bei ihrer Klage darauf, an einer deutschen staatlichen Schule mit Kopftuch unterrichten zu dürfen.
Am 24. September 2003 beschloss das Verfassungsgericht, die Bundesländer müssen es regeln, wie sie im öffentlichen Dienst mit Menschen umgehen, die deutliche Zeichen ihrer religiösen Überzeugung tragen. Also vor allem mit muslimischen Frauen, die ihr Haar mit einem Kopftuch verhüllen. Seit diesem sogenannten Kopftuch-Urteil ist zumindest eines klar: In Deutschland leben Muslime, sie leben ihren Glauben öffentlich und sie fordern ihren Ort in der Gesellschaft. "Der Islam gehört zu Deutschland", zumindest mit diesem Satz wird Ex-Bundespräsident Christian Wulff in Erinnerung bleiben.
Ich spreche heute mit einer jungen Muslimin, die mit dieser Debatte aufgewachsen ist. Als das Kopftuch-Urteil gefallen ist, war Soufeina Hamed 13 Jahre alt. Soufeina Hamed ist in Berlin aufgewachsen, sie hat in Osnabrück Interkulturelle Psychologie studiert, sie ist gläubige Muslimin und zeigt das auch durch ihr Kopftuch. Und sie zeichnet ganz wunderbare, leichte Comics, in dem ihr Alter Ego, eine junge Frau mit Kopftuch, durch die Irrungen und Wirrungen des Alltags geht.
Frau Hamed, als wer werden sie wahrgenommen? Als Zeichnerin, als Akademikerin oder als Expertin für alles, was muslimisch ist?
Soufeina Hamed: Ich glaube, wenn ich es sortieren müsste, würde ich wahrscheinlich sagen - muslimisch, Expertin und dann Akademikerin. Und ich würde auch sagen, dass ich nicht nur Expertin für Muslimisches bin, ich glaube, das erstreckt sich von der Politik des Nahen Ostens bis zum Iran und Afghanistan, womit ich ja eigentlich nichts zu tun habe, aber irgendwie hat man schon das Gefühl, dass man für alles stehen muss.
Dietrich: Ist das eine Belastung oder ist das, kann man damit leicht leben?
Hamed: Es ist schon eine Belastung, und ich glaube, man muss auch, wenn man es jung erlebt, mit der Zeit herausfinden, wie man damit umgeht. Also, wie nahe will man sich damit befassen, wie genau will man auf die Fragen antworten und muss man das überhaupt? Also, das muss man dann für sich herausfinden.
Dietrich: Ist das Zeichnen für Sie eine Art, wie Sie eine Antwort auf diese Fragen geben?

"Menschen reagieren auf Visuelles anders als auf Worte"              

Hamed: Ja, mit Sicherheit. Also, ich beantworte nicht politische Themen, ich gehe ungern außerhalb von Deutschland auf Religiöses oder auf Politisches ein, aber auf Dinge, die in Deutschland passieren, reagiere ich gern mit Bildern, weil ich glaube, die sind oft eingängiger als Texte vielleicht. Also Menschen reagieren auf Visuelles anders als auf Worte.
Dietrich: Können Sie einen Cartoon beschreiben, der so eine Reaktion auf eine aktuelle Frage ist?
Hamed: Es ist vielleicht nichts Aktuelles, aber was mir im Moment einfällt, ist etwas, was eigentlich dauerhaft leider so ist, und zwar ist das vielleicht ein Cartoon, auf dem zwei Frauen zu sehen sind, eine mit Kopftuch, eine ohne, und beide schauen sich etwas skeptisch an, und jede denkt, ach, die andere mag mich bestimmt nicht. Und das zeigt, dass wir irgendwie Angst voreinander haben, Vorurteile auch voreinander haben. Also es ist eigentlich nie einseitig. Und dass das eigentlich die Kommunikation behindert und den Dialog. Und das sind meistens Gedanken, die dann in Realität gar nicht zutreffen.



07/02/2014

A découvrir aussi


Inscrivez-vous au blog

Soyez prévenu par email des prochaines mises à jour

Rejoignez les 85 autres membres