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Sauls Sohn

Ein Bericht von Peter Paul Huth, der in Cannes beim Festival war, über den Film :"Sauls Sohn"

 

Außergewöhnlicher Erstling

 

© dpa   
Holocaust in Bildern, wie man sie noch nicht gesehen hat. 

Um das Sterben geht es auch in "Sauls Sohn" von Laszlo Nemes. Wenn ein Regiedebüt es auf Anhieb in den Wettbewerb schafft, darf man davon ausgehen, dass es sich um einen außergewöhnlichen Film handelt. "Sauls Sohn" erzählt vom Holocaust in Bildern, wie man sie noch nicht gesehen hat. Saul arbeitet in einem Sonderkommando, dessen Aufgabe es ist, die Leichen aus den Gaskammern zu schaffen und ins Krematorium zu bringen. Wir erleben die Schrecken eines Alltags, der von Abstumpfung und mechanischen Verrichtungen geprägt ist. Ebenso außergewöhnlich wie beunruhigend ist die enge Kameraperspektive, die Laszlo Nemes wählt. In einem ohnehin schmalen Bildformat (1:1,3) ist die Kamera ständig auf die Figur von Saul - eine eindringliche Performance von Geza Röhrig - gerichtet, der glaubt, in einem toten Jungen seinen Sohn wiederzuerkennen.

Wir sehen nie das ganze Panorama des Lagers. Unser Blickwinkel ist geprägt von einer ständigen klaustrophobischen Enge. Das ganze Ausmaß des Geschehens wird allein über die Tonspur erfahrbar, die sich um so nachdrücklicher die Fantasie des Zuschauers eingräbt. Anders als bei Filmen wie "Schindlers Liste" gibt es hier keine einfache Unterscheidung zwischen Gut und Böse, zwischen Opfern und Tätern. Die Kapos und jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos sind keine einfachen Kollaborateure des SS-Mannschaften - sie wissen, dass sie bald selbst in die Maschinerie des Todes geraten werden. Es war eine mutige Entscheidung, einen Film wie "Sauls Sohn" in den Wettbewerb zu nehmen, die für manche Enttäuschung entschädigt. Irgendein Preis dürfte ihm sicher sein, vielleicht die Goldene Kamera für den besten Erstlingsfilm. Mittlerweile ist das Werk in ganz Europa und nach Amerika verkauft, außer nach Deutschland. Aber vielleicht ändert sich das noch bis zum Ende des Festivals.  

http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/181887/index.html

 



31/05/2015

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