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Franz Josef Müller und die Weiße Rose - Ist Briefmarken kaufen und Umschläge beschriften eine Heldentat?

Franz Josef Müller (* 1924 in Ulm; † 31. März 2015 in München) war Mitglied der "Ulmer Abiturentengruppe" der Weißen Rose.  Er besuchte mit Hans Hirzel das Humanistische Gymnasium in Ulm. Er half ihm bei der Vorbereitung der Flugblatt-Aktion von Ulm aus, in dem er einen Teil des Portos bezahlte, beim Kuvertieren half und Hans die Adressen diktierte. Das Kuvertieren und Frankieren geschah auf der Orgelempore der Ulmer Martin Luther Kirche. Franz Müller war nicht mit Sophie bekannt, auch mit sonst niemand aus der Münchener Gruppe.

Müller wurde im Februar 1943 zur Wehrmacht nach Frankreich zum Wehrdienst eingezogen. Die Gestapo verhaftete ihn im März 1943. Ein anderes Mitglied der Weißen Rose hatte unter Folter seinen Namen genannt. Am 19. April 1943 begann im Münchner Justizpalast der zweite Prozess des Volksgerichtshofs gegen Mitglieder der Weißen Rose unter dem Vorsitz von Volkgerichtshofspräsident Roland Freisler. Müller wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Warum Susanne Hirzel, Hans Hirzel und er nicht wie andere Mitglieder der Weißen Rose bei diesem Prozess zum Tode verurteilt wurden, ist unklar. Müller glaubte, dass dabei Freislers Rassismus eine Rolle spielte, da alle drei blond und blauäuig waren. Im Verfahren schrie Freisler: „Sie haben ja ein rassisch gutes Aussehen, wie konnten Sie dann gegen den Führer sein?“ Die Fälle von Hans Hirzel und Franz Müller hat das Gericht gleich bewertet. „Beide haben den Feind nicht begünstigen wollen, beide waren sich klar, durch ihre Tat Hochverrätern zu helfen (§§ 83,49 StGB). Beide sind für die Volksgemeinschaft nicht verloren. Beide brauchen daher nicht ins Zuchthaus. ... Je fünf Jahre Gefängnis erschienen dem Gericht angemessen und ausreichend."

 Zum Ende der Zeit des Nationalsozialismus kam Müller wieder frei. Statt wie geplant 1947 in die USA zu emigrieren, überzeugte ihn der Ulmer Oberbürgermeister Robert Scholl, Vater der Geschwister Scholl in Deutschland zu bleiben. Müller studierte die Rechtswissenschaften in Tübingen und engagierte sich auch beruflich für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus. 1986 rief er mit Mitgliedern und Angehörigen der in München hingerichteten Mitglieder der Weißen Rose die Weiße Rose Stiftung ins Leben, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das geistige Vermächtnis der Weißen Rose weiterzugeben. Ab Anfang der 70er Jahre sprach Müller regelmäßig als Zeitzeuge vor Schulklassen, um über sein Leben und die Weiße Rose zu berichten. Er wird auch in der Ulmer DenkStätte Weiße Rose porträtiert.

 

 

Hans Hirzel (geb.1924)

Über die Schwester Susanne, einer engen Freundin von Sophie Scholl, kam der Kontakt zu Hans Scholl zustande, den Hans Hirzel bewunderte. Susanne Hirzel berichtet in ihrem Buch (S.140) z.B. von einem Gespräch ihres Bruders mit Hans Scholl, in dem dieser von den Massenerschießungen in Polen gesprochen hatte, bei der er aber noch im Januar 1942 davon ausging, dass man nicht "ins Rad der Geschichte" eingreifen könne. Hans Hirzel besuchte Hans Scholl auch in München und geriet dabei im Juli 1942 in das Abschieds-zusammensein im Atelier Eickemeyer. Mitwisser wurde er dadurch noch nicht, obwohl er die Grundstimmung der Freunde um Hans und Sophie Scholl sicherlich erkannte.

 

Seine erste Involvierung erfolgte schon früher über Sophie Scholl, die ihn im Sommer 1942 überredet hatte, ein Vervielfältigungsgerät zu beschaffen, ohne ihn aber weiter einzuweihen. Das geschah erst im Weihnachtsurlaub 1942 von Hans Scholl. Im Januar 1943 adressierte er Briefumschläge für den Flugblattversand. Mitgemacht hat Franz Josef Müller. Heinrich Guter lehnte es ab, verriet aber niemand. Hans Hirzel brachte die Flugblätter in postfertigen Briefen nach Stuttgart und bat die Schwester Susanne um Mithilfe beim Aufgeben der "Briefe". Was sie auch tat.

 

Eine möglicherweise schicksalhafte Bedeutung für die „Weiße Rose“ hätten zwei Anwerbeversuche von ihm haben können. Einmal wollte er den Gestapo-Informanten Riester zum Mitmachen überreden. Dann, vor diesem gewarnt, spielte er diesen Versuch jedoch noch herunter. Im Januar 1943 versuchte er, zwei Stuttgarter HJ-Bekannte zum Mitmachen zu überreden, von denen aber einer die Gestapo informierte. Es kam am Donnerstag, den 17. Februar 1943 zu einer Vorladung zur Gestapo in Ulm. Vom Verlauf wollte Hans Hirzel Hans und Sophie Scholl, deren Name er genannt hatte, in München informieren, konnte aber wegen einer Abiturarbeit am nächsten Tag nicht selbst nach München fahren. Er versuchte Inge Scholl zur Fahrt zu überreden, was nicht gelang. Es ist möglich, dass die Warnung, die an Otl Aicher in München durchgegeben wurde, von diesem auch schon telefonisch weitergegeben wurde, als man ein Treffen für den nächsten Tag, Freitag vormittags, vereinbarte. Das könnte die schon geplante Flugblattaktion der Geschwister Scholl ausgelöst haben.

Im zweiten Prozess gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe erhielt Hans Hirzel eine Gefängnisstrafe von 5 Jahren.

 

Susanne Hirzel (geb.1921)

Sie trat 1935 den Jungmädeln bei und lernte dort Sophie Scholl kennen, mit der sie sich eng befreundete. Beide versuchten dem Reicharbeitsdienst zu entgehen und machten nach dem Abitur ein knappes Jahr lang - von Mai 1940 bis März 1941 - eine Ausbildung am Fröbel-Seminar in Ulm-Söfingen mit. Im Gegensatz zu Sophie Scholl musste sie dann nicht zum Reichsarbeitsdienst und konnte in Stuttgart Musik studieren. Sie und Sophie Scholl blieben in Kontakt. Ende November oder Anfang Dezember 1942 besuchte Sophie sie in Stuttgart, während Hans Scholl Kontakt mit Eugen Grimminger zur Finanzierung weiterer Aktivitäten aufnahm. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war sie Mitwisserin der Flugblatt-Aktionen.

Direkt hineingezogen wurde sie durch die Aufforderung ihres Bruders Hans, die von ihm und Franz Müller in Ulm adressierten Flugblätter in Stuttgart einzuwerfen. Was sie auch tat. Es handelte sich um das fünfte Flugblatt. Sie wurde am 22. Februar 1943 in Ulm zur Vernehmung durch die Gestapo geladen und anschließend verhaftet. Das Einwerfen der Briefe gab sie zu, leugnete aber, vom Inhalt Kenntnis gehabt zu haben. Die Verhandlung gegen sie erfolgte im zweiten Weiße-Rose-Prozess am 19. April 1943 unter Vorsitz des Volksgerichtspräsidenten Freisler. Das Urteil: Gefängnisstrafe von 6 Monaten.

 

http://www.focus.de/magazin/archiv/report-franz-du-lebst-es-ist-alles-vorbei_aid_761686.html

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Weisse-Rose-Franz-Josef-Mueller-gestorben;art4319,3149413

http://www.dw.de/die-weiße-rose-reichte-bis-nach-hamburg/a-6440376

 



13/05/2015

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