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Deutschland erleben (article Goethe-Institut)

Deutschland aus der Vogelperspektive

          

            „Die Ostsee von oben“: der Ort Graswarder © vidicom
„Die Ostsee von oben“ oder „Das grüne Wunder – unser Wald“: Eine eindrucksvolle Fülle neuerer Naturdokumentationen blickt aus luftiger Höhe auf das Land zwischen Elbe und Alpen.

 

Dabei sind die Anfänge international: Die BBC-Serie Planet Earth galt von Anfang an als technischer und ästhetischer Referenzpunkt der neuen Dokumentarfilmwelle. Doch bereits der daraus entstandene Kinofilm Unsere Erde – Der Film von Alastair Fothergill und Mark Linfield (2007), eine deutsch-britische Co-Produktion, begeisterte mit seinen spektakulären Luftbildaufnahmen vor allem das deutsche Publikum: Ein Drittel der weltweiten Einnahmen von 108,7 Millionen Dollar wurden in Deutschland eingespielt. Dass die erfolgreichste Naturdokumentation der deutschen Geschichte Nachahmer finden würde, war also abzusehen.

Mit dem Helikopter durchs ganze Land

Die Nordsee von oben (Trailer)

Bei Die Nordsee von oben (2011) war noch der Zufall im Spiel. Durch die Fernsehreihe Deutschlands Küsten waren die Filmemacher Silke Schranz und Christian Wüstenberg auf Archivmaterial gestoßen, das ebenfalls mit der neuen, hochauflösenden Cineflex-Helikopterkamera gedreht worden war. Aus 40 Stunden Material entstand ein Film mit aufregenden Bildern der Wattlandschaften, Inseln und Halligen von Ostfriesland bis Schleswig-Holstein. Stolze 214.000 Besucher zählte der Film bundesweit, in manchen norddeutschen Kinos lief er monatelang.

„Deutschland von oben“: Ruhrgebiet als industrielles Kraftzentrum © Universum Film

Spätestens mit Deutschland von oben (Petra Höfer, Freddie Röckenhaus, 2012) war das Format fest etabliert. Der Film bettet den Rundflug über Deutschlands Flora und Fauna in den Lauf der Jahreszeiten. Zwischen bayerischen Hochalpen und Hamburger Hafen geht es hin und her, regionale Eigenheiten treten zurück hinter der großen, durchaus patriotischen Erzählung. Neu sind auch die Aufnahmen deutscher Städte wie Köln, München und Hamburg sowie des Ruhrgebiets als industriellem Kraftzentrum des Landes. Mehr Überraschungen freilich bieten die historischen Zentren kleinerer Städte wie Nördlingen, Calw, Lüneburg und Bautzen, deren mittelalterliche Struktur aus der Luft bestens zu erkennen ist. Früher, informiert der Kommentar, sahen alle deutschen Städte so aus. Die eigenen Bilder werden durch Luftaufnahmen des Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg ergänzt. Insgesamt gelingt hier ein schwieriger Spagat zwischen mahnender Verantwortung und Wehmut über die einstige Schönheit deutscher Städte.

 

Kegelrobben vor Helgoland

„Die Nordsee – Unser Meer“: Jens Westphal, Kameramann und Regisseur beim Drehen © Polyband Medien GmbH
 

Die scheinbar unberührte Natur blieb Sache der regionalspezifischen Filme, die sich seitdem in deutschen Lichtspielhäusern tummeln wie Kegelrobben vor Helgoland – das Lieblingsmotiv nicht nur von Die Nordsee – Unser Meer (2013). Möwen, Pfuhlschnepfen, Strandläufer, Krebse – der verblüffende Artenreichtum des Wattenmeers von Borkum bis Sylt wird hier auch mit den klassischen Nahaufnahmen des Tierfilms vorgeführt. Der beliebte Schauspieler Axel Prahl spricht in gemütlichem Dialekt den passenden Kommentar. Schranz und Wüstenberg lieferten übrigens mit Die Ostsee von oben im Jahr 2013 die logische Fortsetzung ihres Nordsee-Pionierfilms.

 

Fingerhakeln in Bayern

Fingerhakeln in Bayern (Video)

Der bayerische Regieveteran Joseph Vilsmaier hingegen stieg selbst in den Helikopter, um seiner Heimat mit Bavaria – Traumreise durch Bayern (2012) eine Liebeserklärung zu machen. Die landschaftlichen Schönheiten der bayerischen Berge und Seen hat er in seinen Filmen schon oft eingefangen; in seinem Dokumentarfilm nimmt er auch die barocke Pracht der zahllosen Schlösser, Burgen und Klöster ins Visier. Zwischen architektonischen Wundern wie dem Kloster St. Emmeram und Schloss Neuschwanstein findet sich auch immer wieder jenes Brauchtum, das die ganze Welt für typisch deutsch hält: Fronleichnamsprozessionen, Fingerhakeln und das Münchner Oktoberfest. Aber wie bei seinem nördlichen Pendant Axel Prahl gilt auch bei Vilsmaier: Wahre, unverfälschte Heimatliebe lässt sich nur im Dialekt ausdrücken: Der berechtigte Stolz des Kommentators auf die bayerischen Landschaften wirkt nicht abgehoben – selbst aus einer Flughöhe von 600 Metern.

Unergründlich wie der deutsche Wald

„Das grüne Wunder – unser Wald“: in spektakulären Zeitrafferaufnahmen sprießt der Wald in allen Formen und Farben. © Polyband Medien GmbH
Mit Das grüne Wunder – unser Wald (2013) kam der Naturfilm wieder auf die Erde, man sieht gewissermaßen Deutschland von unten. Doch Kameramann Jan Haft, unter anderem Co-Regisseur von Die Nordsee – Unser Meer, vervollständigt nur das Bild: In revolutionären Superzeitlupen und Zeitrafferaufnahmen von Fichten, Veilchen, Hirschkäfern und Schmetterlingsraupen sprießt der Wald in allen Formen und Farben. Der Majestätsblick der Luftfilmer weicht dem Mysterium des eigentlichen Lebens, der deutsche Wald erhält, mit seinen feuchtschimmernden Moosen und spärlich hereinbrechendem Licht, sein dunkelromantisches Geheimnis zurück. Von unten sieht man manchmal mehr.

So ist auch dieses Naturfilmphänomen nur von oben betrachtet leicht zu erklären, nämlich mit offenkundigem Interesse und kommerziellem Erfolg. Die tieferen Gründe allerdings scheinen so unergründlich wie der deutsche Wald. Die deutsche Liebe zur Natur, zu technischer Perfektion und die allgemein touristische Neugier der Deutschen spielen sicher eine Rolle. Doch vielleicht ist in den letzten Jahren ein neues Bewusstsein gewachsen. Den ausländischen Betrachter können die Filme, die ihren touristischen Blick gar nicht verhehlen, beeindrucken. Den verblüfften Deutschen hingegen scheint erst jetzt aufzugehen, wie schön ihr Land eigentlich ist.

                         

Philipp Bühler ist freier Filmjournalist und Autor von Filmheften der Bundeszentrale für politische Bildung.
Copyright: Goethe-Institut e. V., Internet-Redaktion Januar 2014
 


30/01/2014

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