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Charlotte

Je suis en train de lire "Charlotte" de David Foenkinos. D'habitude, je me méfie des livres qui reçoivent un prix... Mais celui-ci l'a plus que mérité. Au plaisir de la lecture se rajoute celui de la découverte d'une grande artiste et de sa famille.

La vie de  Charlotte Salomon fut courte mais quelle intensité et qui est si bien rendue par l'auteur. Mais celle de sa belle-mère, Paula Salomon Lindberg, est tout aussi intéressante. Il y a matière à réflexion... et pourquoi pas, en faire une problématique pour traiter "Lieux et formes du pouvoir".

Charlotte Salomon (fembio.org)

(Ehename: Charlotte Nagler)

geboren am 16. April 1917 in Berlin ermordet in Auschwitz am 10. Oktober 1943

deutsche Malerin und Dichterin 70. Todestag am 10. Oktober 2013

Biografie

Als Schülerin wurde sie als talentlos angesehen, während ihr Hauptwerk „Leben? Oder Theater? Ein Singespiel“, das aus 765 Gouachen besteht, heute als einzigartiges Kunstwerk gilt. Es ist in drei Teile gegliedert, und die junge Künstlerin berichtet darin von ihrem Leben - eine Art Autobiografie, in der jedoch das Wort „ich“ nicht vorkommt. Hauptperson ist eine fiktive Charlotte Kann (Salomon selber wurde immer nur Lotte genannt). Auch andere Personen aus Salomons Umgebung bekamen neue Namen. Es ist eine ganz ungewöhnliche Mischung aus Bildern und Text, inspiriert von Musik.

Der Prolog erzählt Charlottes Leben von der Geburt bis zur Kunstakademie. Der Hauptteil handelt von der Bekanntschaft mit Amadeus Daberlohn (im realen Leben: Alfred Wolfsohn), der Epilog umfasst die Zeit in Südfrankreich von 1939 bis 1942.

Als Charlotte Salomon 1917 geboren wurde, war ihr Vater, Dr. Albert Salomon, noch als Chirurg im Krieg. Ihre Mutter Franziska, genannt Fränze, war Krankenschwester und starb, als ihre Tochter acht Jahre alt war. Charlotte war ein einsames Kind, fand aber Unterstützung bei zwei Frauen: einem Kindermädchen und Paula Lindberg, einer berühmten Mezzosopranistin, der zweiten Frau ihres Vaters, die ihre große Liebe wurde. In „Leben? Oder Theater?“ ist sie als Paulinka Bimbam wiederzuerkennen, ihr Vater als Doktor Kann.

Von einem Kindermädchen wurde sie ans Malen herangeführt und merkte schnell, dass darin ihre Zukunft lag. Sie entwickelte eine Leidenschaft dafür, ihre Stiefmutter zu zeichnen. Trotzdem galt sie in der Schule als untalentiert. Bis 1933  besuchte sie die Fürstin-Bismarck-Schule. Warum sie sie zu diesem Zeitpunkt verließ, ist unklar, gezwungen wurde sie anscheinend nicht, und andere jüdische Mädchen blieben dort auch weiterhin.

Nach dem Wahlsieg der Nazis erlebte Charlotte Salomon in ihrer eigenen Familie, welche Konsequenzen dieser nach sich zog: Ihr Vater wurde entlassen und durfte nur noch im Jüdischen Krankenhaus arbeiten. Paula Lindberg durfte sich nur noch im Kulturbund Deutscher Juden engagieren und in jüdischen Zusammenhängen auftreten. Dass beide auch im Untergrund tätig waren, erfuhr ihre Tochter, die sie immer zu schützen versuchten, nie.

Charlotte Salomon (oben, 2. von rechts) mit KommilitoninnenDa ihre Stiefmutter meinte, dass mit Kunst kein Geld zu verdienen sei, sollte Charlotte Salomon auf die jüdische Design-Schule gehen, wo ihr wieder einmal bescheinigt wurde, dass sie kein Talent habe. Daraufhin bemühte sie sich um Zulassung an der Kunstakademie (Vereinigte Staatsschulen für Freie und angewandte Kunst, heute: Universität der Künste Berlin) in Berlin-Charlottenburg, scheiterte jedoch an der ersten Aufnahmeprüfung. Aufgeben kam für sie aber nicht in Frage, und so drängte sie ihren Vater dazu, ihr einen Tutor zu finanzieren. Daraufhin bestand sie im zweiten Anlauf die Prüfung und wurde als eine der wenigen jüdischen SchülerInnen, die zu dieser Zeit überhaupt noch zugelassen wurden, akzeptiert. Auch bei ihr gab es Vorbehalte, aber aufgrund ihrer reservierten Art wurde sie nicht als Bedrohung angesehen. Zudem profitierte sie davon, dass ihr Vater als Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs anerkannt war und sie somit unter das zeitweilige Frontkämpferprivileg fiel. Sie brauchte zu diesem Zeitpunkt einfach einen Ort, an dem sie malen konnte und versuchte sich anzupassen. Der Lehrstoff richtete sich bereits gegen die Moderne, ganz im Stil der Zeit. Während der beiden Jahre, die sie an der Akademie war, wurde ihr klar, dass die dort propagierte Art des Malens nie die ihre werden würde.

1937 lernte sie über Paula Lindberg den Musiker Alfred Wolfsohn kennen, in dem sie einen Verbündeten fand, der ihre Stiefmutter ebenfalls liebte. Sie wandte sich ihm zu und traf sich heimlich mit ihm, aber ob er wirklich ihre große Liebe war, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Er hielt ihre Begabung jedoch für überdurchschnittlich, was für sie ein Wendepunkt war und dazu führte, dass sie sich nicht mehr als Schülerin, sondern als Künstlerin sah.

Als sie bei einem Wettbewerb, bei dem die Bilder anonym eingereicht worden waren, eigentlich gewonnen hatte, was aber nach der Ausstellung „Entartete Kunst“ in der Öffentlichkeit nicht mehr zu vertreten war, verließ sie die Schule.

Nun studierte sie weiter zu Hause, brachte sich anhand von Kunstbüchern neue Arten des Malens bei und zwar genau die Kunststile, die die Nazis zu unterdrücken versuchten.

Eine Auswanderung hatte die Familie in den ersten Jahren der Diktatur nicht in Erwägung gezogen, da sie dort bleiben wollten, wo sie gebraucht wurden, vor allem ihr Vater als Arzt. Und Charlotte Salomon wollte bei den von ihr geliebten Menschen bleiben.

Charlotte Salomon vor der FluchtNach der Reichspogromnacht änderte sich die Situation jedoch grundlegend: Der Vater wurde nach Sachsenhausen geschickt, wo er nur dank falscher Papiere, die ihm seine Frau besorgt hatte, aber als gebrochener Mann wieder herauskam. Charlotte Salomon wollte ihre Eltern nicht allein lassen, wurde aber von ihnen gedrängt, das Land vor ihrem 22. Geburtstag zu verlassen, da sie sonst einen Pass brauchen würde, den sie als Jüdin nicht mehr bekommen würde. Als Vorwand gaben sie an, sie werde von ihren angeblich kranken Großeltern in Südfrankreich gebraucht.

So verließ sie das Land im Januar 1939 und reiste nach Frankreich, ihre Eltern fuhren zwei Monate später nach Amsterdam. Sie hatten an sich vor, ebenfalls nach Südfrankreich nachzukommen, was jedoch aufgrund des Kriegsbeginns vereitelt wurde. War erst noch Briefkontakt möglich, so riss dieser nach der Besetzung der Niederlande 1940 ab.

In Südfrankreich lebte Charlotte Salomon mit ihren Großeltern in Villefranche-sur-mer in der Villa L’Ermitage, die einer Freundin von ihnen, der Amerikanerin Ottilie Moore, gehörte. Diese war im Widerstand aktiv und unterstützte zahlreiche ExilantInnen sowie Kinder, deren Eltern verhaftet oder tot waren. Da die Großeltern jedoch Schwierigkeiten mit Ottilie Moore hatten, zogen sie mit Charlotte nach Nizza.

Erst als ihre Großmutter sich 1940 das Leben genommen hatte und zwar auf die gleiche Weise wie Charlotte Salomons Mutter - beide sprangen aus dem Fenster -, erfuhr sie von dem belastenden Familiengeheimnis, dass nicht nur ihre Mutter, sondern auch deren Schwester und diverse andere Familienmitglieder sich das Leben genommen hatten. Diese Enthüllung war ein Schock für sie und stürzte sie in eine tiefe Krise; sie hatte Angst davor, selber verrückt zu werden und sich das Leben zu nehmen. Um ihren Verstand nicht zu verlieren, entschloss sie sich, ihr Leben aufzuzeichnen. In dieser Familiengeschichte betont sie das Leid der Frauen und das Grauen der Kriegszeit, sie zeigt das Dilemma der Frauen auf: in einer Welt leben zu müssen, die für sie unerträglich war. Eugenik als Grund für die gehäuften Selbstmorde gab sie nicht an, obwohl dies zu dieser Zeit eine weit verbreitete Erklärung war. Wo Salomon bis dahin konventionelle Bilder gemalt hatte, die sich verkaufen ließen, wandte sie sich nun persönlichen Motiven zu. So malte sie für die Großeltern zu deren 50. Hochzeitstag eine kleine Geschichte, in die die Erzählungen ihrer Großmutter eingeflossen waren.

Aber auch in Südfrankreich spitzte sich die Lage zu, und Charlotte Salomon und ihr Großvater wurden im Sommer 1940 für etwa zwei Monate im Lager Gurs interniert. Nach ihrer Entlassung hing ihre Aufenthaltsgenehmigung davon ab, dass Charlotte bei ihrem Großvater lebte und für ihn sorgte.

Charlotte Salomon, SelbstporträtNach der Entlassung aus Gurs stand Charlotte vor der Frage, ob sie sich das Leben nehmen sollte oder etwas ganz Besonderes, etwas ganz Verrücktes tun. Sie entschied sich für Letzteres: eine künstlerische Autobiografie. Da sie mit ihrem Großvater ständig Schwierigkeiten hatte, zog sie Ende 1941 nach St. Jean Cap Ferrat in ein kleines Hotel. Dort malte sie die ganze Zeit, während sie ständig vor sich hin summte - die Musik war ihre Inspiration. Erst waren für sie die Melodien da, die meisten Lieder stammten aus dem Repertoire von Paula Lindberg. Sie fing an, die Musik auf der einen Seite ihres Papieres zu notieren, drehte es dann um und begann an zu malen. Der Großteil ihrer Gouachen entstand vermutlich in den Jahren 1940 bis 1942, sie malte über 1.000 Szenen, die sie im Nachhinein selber sortierte und nummerierte.

Nach dem Tode ihres Großvaters im Mai 1943, zu dem sie noch kurz zurückgekehrt war, zog sie wieder zurück in die Villa L’Ermitage. Einen Monat später heiratete sie Alexander Nagler, einen österreichischen Exilanten, der dort bereits seit einiger Zeit lebte.

Am 24. September 1943 wurden die beiden aufgegriffen und in das Durchgangslager Drancy östlich von Paris gebracht, von dort aus Anfang Oktober nach Auschwitz. Charlotte Salomon, die zu dieser Zeit im fünften Monat schwanger war, wurde vermutlich gleich bei ihrer Ankunft ermordet, ihr Name taucht auf keiner der Listen von Auschwitz auf. Ihr Mann kam ins Arbeitslager, wo er nach drei Monaten starb.

Ihr Hauptwerk “Leben? oder Theater?” befindet sich heute im Jüdischen Museum in Amsterdam und kann auf deren Website komplett durchgeblättert werden. (Es gibt bei jeder Seite die Möglichkeit, sich den Text auf Deutsch anzeigen zu lassen, dazu auf “duits” klicken)is Hermanns  

 

Zitate

Ich habe das, was van Gogh in seinem Alter erreichte… nämlich jene unerhörte Leichtigkeit des Striches, die leider sehr viel mit dem Pathologischen zu tun hat, schon jetzt erreicht. (Charlotte Salomon)

Der Krieg tobte weiter, und ich saß da am Meer und sah tief hinein in die Herzen der Menschen. Ich war meine Mutter, meine Großmutter, ja, alle Personen, alle Personen, die vorkommen in meinem Stück, war ich selbst. (Charlotte Salomon)

 

Literatur & Quellen

Filme Charlotte (1980, Judith Herzberg & Franz Weisz) May You Never Forget My Faith in You (1986, Kees Hin) Die eigene Geschichte (1987, Hannelore Schäffer) C’est toute ma vie (1992, Richard Dindo & Esther Hoffenberg) Life? Or Theatre? (2012, Franz Weisz)

Tell me another morning

Belinfante, Judith C. E.; Fischer-Defoy, Christine; Petersen, Ad; Salomon, Charlotte (1992): Charlotte Salomon. Leven? of theater? Herausgegeben von Joods Historisch Museum. Amsterdam; Zwolle: Joods Historisch Museum; Waanders.

Berger, Zdena (2007): Tell me another morning. An autobiographical novel. Ashfield, Mass: Paris Press.

Raunstein, H. Terry; Salomon, Charlotte (1983): Theater or life? Artists dialogue. Herausgegeben von Jewish Community Center of Greater Washington. Washington D.C.: Judaic Museum of the Jewish Community Center of Greater Washington.

Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert

Costa, nise de (2003): Met pen en penseel. Levenskunst van Anne Frank, Etty Hillesum en Charlotte Salomon. Deventer: Thieme. Erhältlich über Etty Hillesumlezing

Dick, Jutta (1993): Jüdische Frauen im 19. und 20. Jahrhundert. Lexikon zu Leben und Werk. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt-Taschenbuch-Verl. (rororo rororo-Handbuch, 6344).

Felstiner, Mary Lowenthal (1997): To paint her life. Charlotte Salomon in the Nazi era. Berkeley Calif.: University of California Press.

To paint her life

Hagen, Rainer; Schäfer, Hannelore (1987): “Heben Sie es gut auf, es ist mein Leben”. Das Album der Charlotte Salomon. TV-Videoaufnahme. Hamburg: NDR (Die eigene Geschichte).

Herzberg, Judith (1981): Charlotte. Dagboek bij een film. Amsterdam: De Harmonie.

Joods Historisch Museum: Charlotte Salomon. De complete collectie (CD-ROM). Leben oder Theater: Bilder, Musik, Texte, Fotos usw. ; Dokumentation. (zu beziehen über den Museumsshop des Joods Historisch Museum)

Anpassung oder Verbot

Kniesmeyer, Joke; Mulisch, Harry; Belinfante, Judith C. E. (1986): Die Welt der Anne Frank - Charlotte Salomon. [Reden zu den Ausstellungseröffnungen]. Berlin: Akademie der Künste (Anmerkungen zur Zeit, 26).

Koelle, Lydia (2003): Das ganze Leben. eine Erinnerung an die Berliner Malerin Charlotte Salomon, die vor sechzig Jahren in Auschwitz ermordet wurde. In: Derekh. Judaica Urbinatensia (Urbino/Italien), H. 1 (2003), S. 7–15.

Olivier, Antje; Braun, Sevgi (1998): Anpassung oder Verbot. Künstlerinnen und die 30er Jahre. Düsseldorf: Droste.

Charlotte Salomon

Pedretti, Bruno (1998): Charlotte, la morte e la fanciulla. Firenze: Giuntina.

Ricci, Katia; Salomon, Charlotte (2006): Charlotte Salomon. I colori della vita. Bari: Palomar (Sui confini delle differenze, 6).

Salomon, Charlotte: Charlotte Salomon. Zeitungsausschnittsammlung. o. O. (Standort: Personalarchiv SUB + Uni Hamburg)

Life? or theatre?

Salomon, Charlotte (1963): Ein Tagebuch in Bildern. 1917 - 1943. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Salomon, Charlotte (1981): Leben oder Theater? Ein autobiographisches Singspiel in 769 Bildern. Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Salomon, Charlotte (1998): Life? or theatre? Zwolle: Waanders.

Charlotte Salomon

Salomon, Charlotte; Fischer-Defoy, Christine (1986): Charlotte Salomon, Leben oder Theater? Das Lebensbild einer jüdischen Malerin aus Berlin, 1917-1943 Bilder und Spuren, Notizen, Gespräche, Dokumente. Ausstellungskatalog. Herausgegeben von Akademie der Künste und Hochschule der Künste Berlin. Berlin: Das Arsenal.

Charlotte Salomon. De complete collectie (CD-ROM)

Salomon, Charlotte; van Voolen, Edward; Belinfante, Judith C. E. (2004): Charlotte Salomon. Leben? Oder Theater? München: Prestel.

Schmetterling, Astrid (2001): Charlotte Salomon. 1917 - 1943 ; Bilder eines Lebens. Frankfurt am Main: Jüdischer Verl. im Suhrkamp Verl.

Steinberg, Michael P.; Bohm-Duchen, Monica; Salomon, Charlotte (2006): Reading Charlotte Salomon. Aufsatzsammlung, Werkanalyse. Ithaca: Cornell Univ. Press.

Charlotte
Wall, Renate (1989): Verbrannt, verboten, vergessen. Kleines Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1933 bis 1945. Köln: Pahl-Rugenstein (Kleine Bibliothek Frauen, 510).

Weisz, Frans; Herzberg, Judith (1984): Charlotte. Originaltitel: Based on the life and work of Charlotte Salomon, BRD. Spielfilm, 95 min.

Links

Wikipedia: Charlotte Salomon

Charlotte Salomon - Wikipedia.

Joods Historisch Museum: Charlotte Salomon

Joods Historisch Museum: Charlotte Salomon. Zahlreiche Informationen und Links, Sammlung von Charlotte Salomons Werken.

kunstaspekte: Charlotte Salomon

kunstaspekte: Charlotte Salomon. Informationen zu Ausstellungen mit Werken Charlotte Salomons.

Wysocki, Gisela von: Illusionen der Zugehörigkeit

Wysocki, Gisela von: Illusionen der Zugehörigkeit. Über Charlotte Salomons Bilderteppich “Leben? oder Theater?” und einen Essay von Astrid Schmetterling.

 

 Und auf Youtube :

CHARLOTTE SALOMON (1917-1943)-ARTISTE PEINTRE (en 4 parties)

https://www.youtube.com/watch?v=PJ-TCozKQeE

https://www.youtube.com/watch?v=O4VzpGlgUKY

https://www.youtube.com/watch?v=LXe4MU6wST8

https://www.youtube.com/watch?v=xcsB0x1n5KY

 David Foenkinos revient sur les traces de l’héroïne de son dernier roman « Charlotte Salomon » à Villefranche-sur-Mer. Cette visite préfigure l’exposition de l’été prochain sur Charlotte Salomon.

https://www.youtube.com/watch?v=rxXN7oEyeTo

 

Paula Salomon-Lindberg - mein "C'est la vie"-Leben: Gespräch über ein langes Leben in einer bewegten Zeit, janvier 1992 (Sous la direction de Christine Fischer-Defoy)  

 Paula singt Bachs "Bist du bei mir" (1933) : https://www.youtube.com/watch?v=sdX9mhbGljI      

 

 Und nicht zu vergessen : die Stolpersteine !      

   

Charlotte Salomon wurde am 16. April 1917 als einziges Kind des Chirurgen Albert Salomon und seiner Frau Franziska, geb. Grunwald, in Berlin geboren. Die gutbürgerliche assimilierte jüdische Familie lebte in Berlin-Charlottenburg in der Wielandstraße 15. Charlottes Kindheit wurde bald überschattet vom Selbstmord ihrer Mutter am 27. Februar 1926. Von nun an bestimmten wechselnde Kindermädchen ihren Alltag. Sie besuchte ab Ostern 1927 die Fürstin-Bismarck-Schule in der Sybelstraße (heute Sophie-Charlotte-Gymnasium). Albert Salomon heiratete 1930 die jüdische Sängerin Paula Lindberg. Sie wurde rasch zum wichtigsten Menschen in Charlottes Kindheit und Jugend.

1933 entzog die Berliner Universitätsklinik Albert Salomon seine Professur. Paula Salomon-Lindberg durfte nicht mehr öffentlich als Sängerin auftreten. In Charlotte Salomons Schule nahmen antisemitische Anfeindungen zu, die sie 1933 veranlassten, den Schulbesuch  ein Jahr vor dem Abitur abzubrechen. Sie wollte Künstlerin werden. Sie besuchte zunächst eine private Kunstschule, um sich auf die Aufnahmeprüfung an den damals so genannten „Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst“ am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg vorzubereiten.

Zum Wintersemester 1935 wurde Charlotte Salomon auf Probe an der Hochschule angenommen. Sie studierte zunächst bei dem Gebrauchsgrafiker Ernst Böhm und wechselte nach einem Semester zu Ludwig Bartning. Weil ihr jüdischer Vater als „Frontkämpfer“ im Ersten Weltkrieg galt, wurde sie zum Sommersemester 1936 immatrikuliert. Sie fiel unter die Quote von 1,5 Prozent jüdischer Studierender, die gesetzlich zulässig war. Im Herbst 1937 brach Charlotte Salomon, die auch an der Hochschule als Jüdin öffentlich angegriffen wurde, ihr Studium ab. 

Während dieser Zeit lernte sie den jüdischen Gesangspädagogen Alfred Wolfsohn kennen, der mit Paula Salomon-Lindberg zusammenarbeitete. Er förderte Charlottes künstlerische Entwicklung, gab ihr Aufträge und ermutigte sie, und sie verliebte sich in ihn. Er sollte später als „Daberlohn“ neben der „Paulinka“ genannten Paula Salomon-Lindberg im Zentrum ihres künstlerischen Hauptwerkes „Leben? Oder Theater?“ stehen.

Im Februar 1939 flüchtete Charlotte Salomon unter dem Vorwand eines Kurzbesuches zu den bereits 1933 emigrierten Großeltern Grunwald nach Villefranche in Südfrankreich. Ihren Eltern gelang im März 1939 die Flucht nach Amsterdam. Sie bemühten sich von dort um die gemeinsame Ausreise mit ihrer Tochter in die USA. Der Plan scheiterte am Vormarsch der Wehrmacht auf dem europäischen Kontinent: die Eltern wurden in das holländische Lager Westerbork deportiert.

Zwischen 1940 und 1942 schuf Charlotte Salomon in Villefranche das „Singspiel“ genannte Werk „Leben? Oder Theater?“. Auf über tausend Gouachen und Textblättern stellte sie ihre Sicht auf die Geschichte der Familie dar, die sie „Kann“ nannte. Sie selbst gab sich den Namen „Charlotte Kann“. Ihr Werk übergab sie dem Arzt Dr. Moridis in Villefranche, der es über den Krieg retten konnte.

Im Juni 1943 heiratete Charlotte Salomon in Nizza den österreichischen Emigranten Alexander Nagler, der in Villefranche jüdische Waisenkinder betreute. Ihre Hochzeit machte die Behörden auf sie aufmerksam. Charlotte und Alexander Nagler wurden im September 1943 in Villefranche verhaftet und über Drancy nach Auschwitz deportiert. Charlotte war im fünften Monat schwanger und wurde vermutlich am Tag ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Alexander Nagler starb 1944 im Vernichtungslager Auschwitz III/Buna.

Albert und Paula Salomon reisten 1947 nach Villefranche, wo ihnen Charlotte Salomons Werk „Leben? Oder Theater“ übergeben wurde. Es ist seit 1971 im Besitz des „Joods Historish Museum“ in Amsterdam und wurde bereits weltweit in Ausstellungen gezeigt. 2012 war es Teil der internationalen Ausstellung zeitgenössischer Kunst „documenta“ in Kassel.

Am Haus Wielandstraße 15 brachte der Berliner Landesjugendring auf Initiative von Gerhard Schoenberner in den 1960er Jahren eine Gedenktafel für Charlotte Salomon an. 1991 wurde in Anwesenheit von Paula Salomon-Lindberg eine Grundschule in der Großbeerenstraße in Berlin-Kreuzberg nach Charlotte Salomon benannt

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Biografische Zusammenstellung: 

Dr. Christine Fischer-Defoy - Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.v.

Seite der Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf

 

 

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Paula Lindberg wurde am 21. Dezember 1897 in Frankenthal bei Mannheim als einzige Tochter des Rabbiners Lazarus Levi und seiner Frau Sophie, geb. Meyer geboren. Auf Wunsch des Vaters studierte sie unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkrieges zunächst Mathematik für das Lehrfach in Heidelberg. Erst nach seinem Tod wechselte sie an die Musikhochschule in Mannheim und erhielt Unterricht bei dem Gesangspädagogen August Perron. Auf Empfehlung von Wilhelm Furtwängler ging sie 1926 zum Studium bei Julius von Raatz-Brockman an die Musikhochschule in Berlin.

Um ihr Leben zu finanzieren, arbeitete sie als Kindermädchen bei dem Architekten Erich Mendelsohn und seiner musikbegeisterten Frau Luise, die häufig Hauskonzerte mit zeitgenössischen Kompositionen veranstalteten. So trat neben ihre große Liebe zur Musik Johann Sebastian Bachs die Begeisterung für die musikalische Moderne, die Ernst Toch und Paul Hindemith an der Berliner Musikhochschule repräsentierten. Den größten Einfluss auf ihre Ausbildung hatte Siegfried Ochs, der Gründer und Leiter des Philharmonischen Chores und Lehrer für Oratoriengesang an der Berliner Hochschule. Unter ihm sang sie 1926 in der Berliner Philharmonie erstmals die Alt-Partie in Bachs „Matthäus-Passion“.

Siegfried Ochs riet der jungen Sängerin, ihren Namen in Paula Lindberg zu ändern, um sich vor antisemitischen Anfeindungen zu schützen. 1930 heiratete sie den verwitweten Berliner Chirurgen Albert Salomon und zog zu ihm und seiner Tochter Charlotte in die Wielandstraße 15 in Berlin-Charlottenburg, die rasch zu einem beliebten Treffpunkt des Berliner Kulturlebens wurde.

Zwischen 1930 und 1933 sang Paula Salomon-Lindberg häufig die Alt-Partie bei der Aufführung sämtlicher Bach-Kantaten in der Thomanerkirche in Leipzig. Im März 1933 durfte sie dort zum letzten Mal öffentlich auftreten. Durch ihre Freundschaft mit Kurt Singer, der 1933 mit Genehmigung der Nationalsozialisten den „Kulturbund deutscher Juden“ gründete, war dieser auch für sie das einzige Podium, das ihr noch offenstand. Vor einem ausschließlich jüdischen Publikum durften dort jedoch nur Werke jüdischer Künstler aufgeführt werden. Neben ihren Konzertverpflichtungen unterrichtete Paula Salomon-Lindberg ab 1936 an der „Jüdischen Privaten Musikschule Hollaender“ in der Sybelstraße in Berlin-Charlottenburg.

Erst nach der Haft Albert Salomons im November 1938 in Sachsenhausen entschloss sich die Familie zur Emigration. Charlotte fuhr im Januar 1939 zu den bereits emigrierten Großeltern Grunwald nach Villefranche in Südfrankreich. Am Tag eines bereits angekündigten Abschiedskonzerts in Berlin flohen Albert und Paula Salomon mit falschen Papieren nach Amsterdam. Die geplante gemeinsame Emigration mit Charlotte in die USA scheiterte am Vormarsch deutscher Truppen auf dem europäischen Kontinent. Ihre Tochter sollten sie nie wiedersehen. Paula Salomon-Lindberg wurde zusammen mit ihrem Mann 1943 in Amsterdam verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork deportiert. Von dort gelang ihnen unter dem Vorwand, medizinische Geräte aus Amsterdam zu besorgen, die Flucht. Bis zur Befreiung überlebten sie in einem Versteck in Südholland.

Bei der Rückkehr nach Amsterdam erfuhren sie von Charlottes Tod in Auschwitz. 1947 reisten sie nach Villefranche und brachten das dort gerettete Werk „Leben? Oder Theater?“ von Charlotte Salomon nach Amsterdam. Eine Rückkehr nach Deutschland kam für die Salomons nicht infrage. 1950 nahmen sie die holländische Staatsbürgerschaft an. Paula Salomon-Lindberg unterrichtete am Musiklyzeum in Amsterdam und gab private Gesangsstunden. Ab 1950 lehrte sie im Rahmen der Sommerkurse am Mozarteum in Salzburg. Ihr Spezialgebiet war die Sprecherziehung für Sänger und die deutliche Artikulation im Gesang. Die Lehrtätigkeit in Salzburg betrachtete sie als ihre „Wiedergutmachung“.

1986 kam sie zur Eröffnung einer Ausstellung von „Leben? Oder Theater?“ zum ersten Mal wieder nach Berlin. 1989 richtete die Hochschule der Künste Berlin einen internationalen „Paula Lindberg-Salomon-Wettbewerb“ für Liedgesang ein, der seither alle zwei Jahre durchgeführt wird. Bis zu ihrem Tod nahm Paula Salomon-Lindberg daran aktiv Anteil und war viele Jahre Mitglied der Jury. 1992 erschien ihre Lebensgeschichte unter dem Titel „Mein C’est-la-vie-Leben in einer bewegten Zeit. Der Lebensweg der jüdischen Künstlerin Paula Salomon Lindberg“ in Berlin. 1995 folgte der einstündige Dokumentarfilm „Paula Paulinka“ von Christine Fischer-Defoy, Daniela Schmidt und Caroline Goldie. Paula Salomon-Lindberg starb am 17. April 2000 im Alter von 102 Jahren in Amsterdam. Ihr Grab befindet sich auf dem Friedhof der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hoofddorp bei Amsterdam.

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Biografische Zusammenstellung: 

Dr. Christine Fischer-Defoy - Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.v.

Seite der Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf  

                                                         



10/02/2015

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